Pandemie, Trumpismus und anderer Trübsal können einem ganz schön zusetzen. Wie praktisch, dass lebalcony, der Freudenquell gesunden Wertebewusstseins Wege aufzeigt, sich der Gram des Zeitgeistes entschlossen entgegenzustellen. Zum Beispiel mit einer kräftigen Dosis heiß dampfenden Glücks voll Klasse, Stil, Noblesse.

Zutaten für den distanzierten Kreis seiner Liebsten und seiner selbst. Sprich der klassischen, kontaktbeschränkten Zweierrunde: ein mittelgroßer Butternut-Kürbis, ca. 800 g, (Hokkaido geht auch, doch Butternut klingt und schmeckt einfach cremiger), ein Boskop-Apfel, zwei Zwiebeln, zwei Zehen Knoblauch, zwei ebenbürtige Finger Ingwer, eine scharfe Chilischote, ein kleines Bündchen Koriander, 200 g Nordseekrabben, Saft einer halben Zitrone, ein halber Liter Gemüsebrühe, ein viertel Liter Kokosmilch, vier Esslöffel Öl, zwei Teelöffel Currypulver, zwei Teelöffel Cheyenepfeffer, Salz, Pfeffer.

Um Zutaten Taten folgen zu lassen. Wir schälen den Kürbis, um sein Fruchtfleisch grob zu würfeln. Mit dem Apfel verfahren wir ebenso. Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Chilischote hacken wir so fein wie möglich.

Alles in einem großen, mit Sonnenblumenöl benetztem Topf fünf Minuten dünsten. Brühe, Kokosmilch, Currypulver zufügen. Wir gedenken dem großen Sean Connery und lassen alles – verrührt, nicht geschüttelt – ein viertel Stündchen genußvoll unterm Deckel köcheln. Die Zeit nutzen wir, um der maskierten, bestimmt sehr, sehr attraktiven Agentin in unserer Küche abstandsgemäß mit stylischen Elbow-Checks und coolen Foot-Shakes zu huldigen.

Jetzt den Mixstab gezückt. Und den gesamten Topfinhalt zu einer sehr, sehr feinen Creme pürieren. Routiniert mit Zitronensaft und zwei Esslöffeln Olivenöl vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Korianderblättchen haben wir vorher von den Stielen gezupft und als formschöne, farblich akzentuierte Pünktchen beiseite gelegt.

Die Nordseekrabben haben wir des fröhlichen Wohlbehagens halber bereits in frisch gepressten Zitronensaft eingelegt.

Die heiße Cremesuppe in Schüsseln, Schalen oder Suppenteller füllen. Doch damit das zarte, köstliche Fleisch der kleinen Krabben nicht zu sehr gegart oder gar in seiner Konsistenz überstrapaziert wird, lassen wir erst vor dem Servieren eine Handvoll Nordseekrabben in die Suppe eintauchen. Das Ganze mit den Koriander-Blättchen krönen. Sylter Weißbrot von Gaues dazu. Und fertig ist das Feierabendglück, das uns Weltschmerz und Herbstdepression vergessen – und die Sonne wieder aufgehen lässt.

Besonders wenn wir feststellen, dass insgesamt mindestens vier üppige Portionen aus oben genannten Zutaten rausgekommen sind. Das heißt: die zweite Hälfte der Suppe heben wir uns für einen anderen Tag auf. Denn: die nächste Pein kommt schneller als man meint.

Zuversichtlichst mit Optimismus im Gruße

 

Sam Lazay

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