Cocconato. Der Weg führt uns über ein kurviges Sträßchen im frühabendlichen Piemont. In ihrer Grundbeschaffenheit zeigt sich die Chaussee etwas holprig. Im Charakter dafür um so sentimentaler.

 

Romantisch knirscht das Gestein im letzten Sonnenschein. Umringt von Reben fein, lenkt es sich gen Cantina ein. Wir parken unseren Wagen in Grünanlagen samt Vögel-Gezwitscher-Wohlbehagen. Bei so viel lyrischem Naturell würde es uns nicht wundern, wenn auch schon Romeo y Julieta hier regelmäßig ihre Pferde-Droschke abgestellt hätten. Um sich an solch koketten Kochkunststätten vor dem Trott der Standardkost zu retten.

Wir wissen: der Zauber lukulischer Bissen liegt in der Luft. Ja, schon letztes Jahr waren wir in der Cantina Nicola. Und es war wunderbar. So sehr, dass wir einfach wiederkommen mussten. Eine sehr gute Entscheidung, die sich zehnfach bestätigen sollte. Riccardo, der Maître d’Hotel empfängt uns mit italienischer Herzlichkeit. Als Zeichen besonderer Wertschätzung präsentiert er uns eine namentlich, persönlich an meine Partnerin und mich geschriebene Karte.

Wir sind verzückt. Und das nicht nur unter Aspekten eines effizienten Costumer Experience Managements. Reines Marketing-Gelaber und tatsächliche Praxis-Umsetzung sind eben zwei paar Stiefel. Die Cantina Nicola überzeugt hier mit einem ersten Eindruck der Extra-Klasse. Weiter weist uns die Karte den Verlauf der nächsten genussvollen Stunden. Das Menü bevorstehender Sinnesfreuden ist hier als Gesamtkunstwerk ganz nach Gusto und Stimulus der Koch-Künstlerinnen Alessia und Erica zu sehen. Und kann daher nicht individuell vom Gast gewählt werden. Auf Grund des enormen Aufwandes der einzelnen Gänge wäre es anders einfach nicht machbar. Doch es lohnt sich. Absolut. Sich diskussionslos Idealisten anzuvertrauen, die professionelle Ahnung haben, von dem, was sie tun. Erfahrungsgemäß kann das durchaus seinen konstruktiven Reiz haben.

Wir sind gespannt:

 

Zur Eröffnung des Menüs erstmal ein Gruß aus der Küche. Wer will, darf auch gern „Amuse gueule“ sagen.

 

Erster Gang: Blumenkohl-Mascapone-Miso, ein Rendezvous in weiß – und jetzt kommt’s: unter einer pulverisierten Löwenzahn-Wiese. Da muss man erstmal drauf kommen. Gemundet hat es auf alle Fälle genial.

 

Zweiter Gang: Weinbergschnecken aus der Region. Ummantelt von feinen Senf- und Lakritzaromen.

 

Dritter Gang: Hahnenkamm. Samt eines Vitamin-Ensembles in würziger Sauce.

 

Vierter Gang: Im Heu gekochtes Kartöffelchen. Veredelt durch Topinambur, schwarzen Knoblauch und einer Creme aus fermentiertem Brot und Blütenpollen.

 

Fünfter Gang: Sauerteigbrot mit getrockneten Pflaumen, Ziegenbutter, Bärlauchpulver und Lorbeeröl.

 

Sechster Gang: Pasta-Berlingots mit Seefenchel, Ricotta- und wilder Queller-Füllung.

 

Siebter Gang: Ravioli della tradizione. Heißt übersetzt: Hasen-Ragout im eleganten Pasta-Gewand.

 

Achter Gang: Piemontesisches Kalbsbries im Stelldichein mit Wiesensalbei, Testina-Karotten und Merrettich.

 

Neunter Gang: Zitronen-Lakritz-Sorbet als Vor-Dessert zweier gegensätzlich mundender Geschmäcker: süß sowie sauer.

 

Zehnter Gang: Erdbeer-Estragon-Lavendel-Finale. Als Abrundung zum Schluß. Plus einem i-Tüpfelchen Aceto. Und einem Schuss Minzgranita.

 

Mission accomplished!  Ein zehnfaches Super-Bellissimo-Complimento an Alessia und Erica. Sowie dem gesamten Team der Cantina Nicola.

 

Alla prossima volta!

 

Sam Lazay

 

lebalcony – coole Typen und Köchinnen aus Winterhude bis darüber hinaus

 

Cantina Nicola – über die Kunst des extra erlesenen Schlemmens