Bella Italia beflügelt. Hier, wo der Himmel Azzuro singt. La Dolce Vita samt Cucina Passione das Stadtbild beschwingt. Wo alles Bellissima, gern auch Superleggera klingt. Und der Straßenverkehr täglich neue Erkenntnis bringt. Beispielsweise, wie man am coolsten einparkt und aussteigt – um la Situazione filmreif mit finalem Zurechtrücken der Sonnenbrille zu checken. Capisco, Baby!

 

Erfüllt von großem Kino, famosen Momenten, lustigen Begegnungen und allen Gaumenfreuden des Piemonts im Gepäck bin ich mit meiner Bellezza auf der Rückreise gen good ol‘ Germania.

 

Beim kleinen Transitverkehr durchs schweizerische Alpenland – Grüezi mitenand! – wird die Exkursion nochmal so interessant.

 

Auf den letzten Kilometern vor der Stradale del San Gottardo umgeben von massiven Gebirgs-Skulpturen der über Dreitausender- Bergen im satten Grün von Wald und Weiden, Pflanzen, Gräser aller Art.

 

Mittendrin in einem endlosen Gemälde aus Höhe, Weite, Tiefe und Erhabenheit. Wie technischer Unvergänglichkeit.

 

Eine Landschaft, die im Augenblick des Betrachtens ganz einem allein gehört. Und vor bzw. hinterm Gotthard mit pittoresken Finessen betört.

 

Anmutung und Interpretation liegen nahe, greifen Zahn in Zahn, dass wir es hier mit historischen Relikten zur größten Tunnel-Baustelle der Welt zu tun haben. Fingerzeige, Indikatoren aufs ganz große Bohren.

 

Im Zuge der Bauarbeiten des längsten Eisenbahn-Tunnels der Welt müssen sich diverse technische Geräte und freiliegende Instrumente harmonisch ins natürliche Bild am Wegesrand eingefügt haben…

 

Wir sind fasziniert von den vielen Bodenschätzen.

 

Im Sinne des kreativen Recyclings würden wir ihnen allesamt gerne neues, künstlerisches Leben verleihen.

 

Prächtige, offensichtlich vergessene Form-follows-Function-Objekte lassen uns immer wieder wundern.

 

Bis wir endgültig und unübersehbar die vollumfängliche Bestätigung erhalten. Von Heidi, einem der maßgeblichen Köpfe der Operazione Gotthard-Basistunnel. Ein Jahrhundert-Werk, das mit 57 beeindruckenden Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt ist.

 

Unsere Heidi – Nachname Bohrkopf – ist mit 9,43 m Durchmesser und 450 m Länge ihrer gesamten Bohranlage die treibende Kraft des monumentalen Verkehr-Bauprojekts. Seit Heidis aktivem Einsatz als Bohrkopf von Dezember 2002 bis März 2011.

 

Bei einer Power von 4759 PS kann Heidi auf eine maximaler Vortriebsleistung von bis zu 36 Metern pro Tag beschleunigen. Volles Rohr durch massiven Gebirgsgranit. Wobei sich Heidi bei bis zu 2450 Metern unter der Gipfeloberfläche durch das Gebirge wühlt. Der höchste Scheitelpunkt des Tunnels liegt hier bei moderaten 549 Metern Höhe.

Neben dem Eisenbahntunnel ist der Gotthard-Straßentunnel mit knappen 17 km „nur“ der viertlängste Straßentunnel der Welt. Gebaut von 1970 bis 1980. Da war Heidi noch nicht mal geboren.

 

Gerne hätt‘ ich Heidi mitgenommen. Doch leider war der Wagen bis zum Rand schon voll mit Barbera d’Asti allerhand.

 

Daher Heidi weiter am Gotthard stand.

 

Und ich mit köstlichem Bestand gen Germania entschwand.

 

Sam Lazay

 

lebalcony – coole Köpfe und Momente aus Winterhude bis über die Alpen hinaus

 

 

Manches können die Schweizer einfach besser als wir: bauen z. B! Wenn man sich überlegt, dass der Gotthard-Tunnel seit 1999 geplant, konzipiert, sondiert, von Heidi und ihren Schwestern durch 57 km unbarmherzigen Granit gebohrt, gebaut, optimiert und bis zur offiziellen Einweihung 2016 in nur 17 Jahren realisiert wurde.

 

Im Sinne der Menschheit kann man dem mehr als nur eisenharten Respekt zollen.

Heute blickt man in Deutschland fassungslos auf Stuttgart 31 (formerly known as Stuttgart 21). Konsterniert schaut man auf das 2021 begonnene und 2023 wieder abgebrochene, nur zur Hälfte getätigte Monument des Hamburger Elbtowers (nowadays known as Kurzer Olaf).

Oder man wundert sich über den Abriss eines Hochbunkers in Hamburg Winterhude, der 1294 Personen Schutz gegeben hat. Ein Bauvorhaben, das seit 2018 begann und bis heute nur Ärger, Lärm, Dreck nichts weiter brachte. Außer einer rundum abgesperrten, brachliegenden Bau-Ruine. Inmitten eines dicht bewohnten Jugendstil-Areals. Inklusive des üblichen, über alles erhabenem Achselzucken zuständiger Verantwortlicher.

In 17 Akten aus Sicht geschädigter Nachbarn skizziert nachfolgender Link eine faktisch chronologische Bestandsaufnahme des endlosen KW9-Bau-Dramas in Hamburg Winterhude:

Kuhnswegbunker-Abriss – die 17-te. Kamera läuft!