Da steht sie nun, die Elphi und scheint – auch nicht zu wissen, was sie zur aktuellen Lage sagen soll. Konnte doch die Verzehnfachung der geplanten Kosten samt sechs Jahre Lieferverzug immer wieder politisch schöngeredet werden. Jeder Freischaffende, Unternehmer oder Angestellte, der seinen Auftraggebern Kalkulationen und Terminzusagen zusichert, weiß:

Es kann immer irgendwas dazwischen kommen, so dass nachkalkuliert werden muss. Doch aus veranschlagten 77 Millionen tatsächliche 866 Millionen zu klotzen und den ursprünglichen Liefertermin von 2010 auf 2017 zu wursteln, dem gebührt durchaus Respekt und Anerkennung für kreatives Rendite-Management.

Wem die Zahlen zu hoch sind, hier nochmal vereinfacht: Frau kommt zum Friseur und will die Haare schön. Friseur sagt: „mit 77 Euro sind Sie dabei“. Frau willigt ein. Statt zwei ist der Frisör zehn Stunden später fertig, zwischendurch erpresst er die Frau mit Arbeitsverweigerung, um dann nachts um halb eins die Rechnung in Höhe von 866 Euro zu präsentieren. Klar, kann man machen. Und natürlich gibt es da welche, denen das wurscht wär, ich denke aber 95 % aller Kunden würden sich derbe verschaukelt fühlen. Heute, drei Jahre nach Fertigstellung der Elphi und rund fünf Wochen Quarantäne sei ein nachdenklicher Blick auf das Corona-Handling erlaubt.

Zwischenresümierend wäre festzustellen: Besonders stark und rapide verbreitet sich das Virus in Kindergärten, Schulen, Unis, Fitnessstudios, Restaurants, Hotels, Kneipen und anderen Kulturbetrieben wie auch der Elbphilharmonie. Dort ist also erstmal radikal Schluss mit lustig. In großen Industrieproduktionsstätten ist die Infektionsgefahr jedoch nicht so groß, da die Kurzarbeit auch dem Virus seine Effektivität zu nehmen scheint. Seit Corona in Deutschland Fuß fasste, soll man zu Hause bleiben, direkte soziale Kontakte meiden, die Infektionskette flach halten. Einkaufen ohne Atemschutz stelle jedoch kein Problem dar. Bus und Bahn auch nicht. Solange man den Sicherheitsabstand zu anderen wahrt.

Klingt nachvollziehbar. Also halte ich mich daran, weil ich keine alternative Verhaltensweise sehe. So weit, so gut. Jetzt nach sieben Wochen Video-Konferenzen, Home-Office und Social Distancing kommt die Mund-Nasen-Masken-Pflicht für Supermärkte und ÖPNV ums Eck.

Allerdings länderspezifisch differenziert. So besteht zum Beispiel in Schleswig Holstein erst ab 29. April Ansteckungsgefahr und Maskenpflicht. Und in Berlin ist die Gefahr zwar überall gegeben – nur eben nicht im Einzelhandel. Logisch, Viren hatten schon immer eine grundsätzliche Scheu vor dem Berliner Einzelhandel.

In allen 16 Bundesländern einig, scheint man jedoch bei der Tatsache, dass man in Banken automatisch immun gegen das Virus ist. Wer jetzt denken könnte, dass die Angst der Banken von einem maskierten Kunden möglicherweise um die Bareinlage gebracht zu werden, größer ist als die Sorge, dass sich Kunden tödlich infizieren könnten, der ist ein hinterhältiger Verschwörungstheoretiker und möge sich sofort in die Ecke stellen und schämen.

Auch das Automobil auf Deutschlands Straßen gilt als amtlich verordnete Viren-Tabuzone. Wer das nicht glaubt und seinem individuellen Gesundheitsbewusstsein durch konsequentes Tragen einer Atemschutzmaske auch im Auto Ausdruck verleiht, handelt wiederum gegen das Gemeinwohl, weil man im Falle eines Blitzerfotos dem Stadtsäckel die Chance nimmt, als fröhlicher Bußgeldzahler erkannt zu werden.

Niemand kann verbindlich sagen, was es genau mit dem Virus auf sich hat. Da wäre doch die Atemschutzmaskenpflicht ein Versuch wert, die Infektionskette zu unterbrechen. Konsequent. Nur ein bisschen konsequent kann schnell a bisserl halbherzig wirken.

Irgendwie passt da einiges nicht recht zusammen. Daher freue ich mich, mit Bettina Hagen heute morgen genau zu dem Thema ein längeres Telefonat gehabt zu haben. Und da Bettina stets ein Quell der Inspiration ist, hat sie mich prompt zu diesem Artikel beflügelt.

Im Auftrag von Tichys Einblick war Bettina die letzten Tage in Hamburg unterwegs, um Dokumentationen für die Zeit jetzt und nach Corona in unserem schönen Hamburg zu fotografieren. Quasi als Orientierungshilfe zwischen dem Heute und Morgen.

Kritischen Journalismus zu fördern, ist schließlich eine der urdemokratischsten Tugenden überhaupt. Denn Redaktionen, die von anderen Redaktionen abschreiben, gibt es schon viel zu viel. Um so mehr, wenn sie unterm gleichen Dach sitzen. Daher: Besser klug argumentieren als blind kopieren.

Für die wenigen, die Bettina Hagen im Zuge der heutigen Reizüberflutung nicht gleich zuordnen können:

Wild thing – Germany’s First Top-Model auf lebalcony.

Bettina ist der allererste Beitrag von lebalcony.de, bei dem es um coole Typen und Stories aus Winterhude bis darüber hinaus geht. Und Bettina ist ziemlich cool. Oder, um es besser zu sagen, sehr, sehr cool. Nicht nur, weil sie von einer bewegenden Vita zu berichten hat. Sondern sich bis heute persönlich und aktiv für eine bessere Gesellschaft einsetzt. Man muss nicht immer ihrer Meinung sein, aber ich finde, überhaupt eine Meinung zu haben, ist im Sinne des demokratischen Prozesses tausend Mal förderlicher, als sich nur vom üblichen Mainstream treiben zu lassen. Ich würde mir grundsätzlich viel mehr Öffentliche Diskussion wünschen statt gleichgeschalteter Meinungszensur.

Wenn der ganze Corona-Mist einmal vorbei ist, wie möchten wir darauf zurückschauen? An was wollen wir uns erinnern? Welche persönlichen und gesellschaftlichen Optimierungen werden wir aus Corona gewinnen? Meine Sensoren vermelden durchaus einen Drang zur Normalität. Wobei es bei der Normalität vor Corona durchaus einige Punkte gibt, die verbesserungswürdig scheinen. Zum Beispiel: weniger sinnloses Konsumieren, weniger achtloser Umgang mit unserem Planeten, dafür mehr Respekt, mehr Freude am Leben. Wieder mehr Dichter und Denker.

Und so wie aus cleveren Marketingüberlegungen die steife „Elbphilharmonie“ zur possierlichen „Elphi“ wurde, werfe ich prophylaktisch statt der düsteren „Corona“ schon mal die liebreizende Verniedlichungsform „Corni“ in die Runde. Vielleicht hilft’s ja.

Sam Lazay

 

lebalcony.de – coole Typen und Stories aus Winterhude bis darüber hinaus.

 

Alle Fotos: Bettina Hagen, Hamburg, www.bettina-hagen.de

 

 

Unvergessen – als für die offizielle Ansprache zur Wiesn-Eröffnung 2018 der Kameramann ausfiel. Ohne lange zu Fackeln hat sich Bettina Hagen angeboten und die Welt mit dem wohl lässigsten Kameraschwenk überhaupt beglückt.

O’zupft is! Wiesn-Styling-Trends 2018.

Wenn wundert es, dass ein Super-Modell mit künstlerischen Ambitionen, auf die jahrelang die Kameras der besten Fotografen der Welt gerichtet waren auch ein Händchen für großartige Bilder hinter der Kamera hat.

Michel samt Elphi. Neues von der gehobenen Mittelschicht.

 

Allen großen und kleinen Bühnen der Welt wünschen wir schon jetzt famose Auftritte und tosenden Applaus.