Der Zusammenhang vom HSV-Bundesliga-Abrutsch und dem vorzeitigen Deutschland-WM-Aus ist kaum anders zu erklären, als dass es einer mit dem deutschen Fußball wahrlich nicht gut zu meinen scheint.

Lebalcony zittert und hofft, dass es jetzt nicht auch noch den VfL Sindelfingen oder SV Böblingen erwischt – und sie trotz respektierlicher Leistungen wieder in die Niederungen der Kreisliga entfleuchen müssen. Obwohl ich als lebalcony-Urheber und -Autor seit über zwanzig Jahren in Hamburg lebe, ist meine Verbundenheit zum VfL – nicht nur als ehemaliger Sportpressefotograf – nach wie vor ungebrochen. Schon früh stellte der VfL mein Hochsprungtalent fest. Was durch den historisch herausragenden Titelgewinn „Dritter bei den Sindelfinger Schüler-Stadtmeisterschaften in meiner damaligen Altersklasse“ mit 1,60 Meter für immer in den Geschichtsbüchern sportlicher Highlights manifestiert ist. Wenn man sich überlegt, dass der Weltrekord im Hochsprung heute bei 2,45 Metern liegt, dann sind das gerade mal schlappe 85 cm, die wir da auseinander liegen.

Um noch ein bisschen höher hinaus zu kommen durfte ich im VfL dank Trainer Dieter Gauger auch Stabhochspringen. Und lernte:

Wenn’s weh tut, einfach weitermachen!

Ja, so war das damals. Und wenn du nichts gebrochen, gerissen oder ein ganzes Körperteil verloren hast, hat dieses Trainingskonzept auch wunderbar funktioniert. In Leichtathletik, Schwimmen, Klettern, Turnen, Skifahren zeigte ich mich durchaus talentiert. Im Fußball gab es, zugegeben, andere, die deutlich mehr Talent hatten, so dass ich entweder auf der Bank oder höchstens im Tor glänzen durfte. Trotzdem werde ich zur WM gerne weiter berichten. Täglich kurz nach 17:00 Uhr. Und an die vielen unbekannten Helden der unteren Ligen erinnern. Insbesondere natürlich unseres wunderbaren VfL Sindelfingen, der meiner sportlichen Karriere den Grundstein legte und bis heute sprudelnder Quell des Sportsgeistes ist.

Dafür möchte ich mich bedanken. Zur Vorbereitung auf die nächste WM möchte lebalcony weiter an die großartigen Erfolge der Kreis-, Landes- und Verbandsliga erinnern, die unsere unbekannten Helden von einst für uns erstritten haben.

Und ihnen heute zur WM 2018 das zukommen lassen, was ihnen gebührt: Respekt und Achtung für ihre herausragenden Leistungen in den Dorfstadien der Welt. Wäre unseren früheren Lokal-Fußball-Stars nicht was dazwischen gekommen: Häusle, Familie, G’schäft… G’schafft hätten sie’s bis zur WM. Garantiert.

Die Würdigung unserer lokalen Fußball-Idole für Sportsgeist und unbändiges Talent ist also längst überfällig. Da die Namen der wackeren Streiter von damals nicht mehr bekannt sind, erlaubt sich lebalcony, ihre Fotos repräsentativ durch die Namen unserer aktuellen Fußballhelden zu ersetzen. Um ihnen so angemessene Vertreter samt gebührender Schlagzeile zu widmen. Durch eure tapfere Vorarbeit wurden vier Weltmeistertitel erst möglich. lebalcony hofft, dass ihr in vier Jahren ein paar mehr Schippen eurer Good old Vibes drauflegen könnt.

Zeitpunkt der damaligen Veröffentlichungen: ca. 1983 bis 1987.

Medium: Sindelfinger Zeitung.

Bildagentur: Stampe

Fotograf: Sam Lazay

Ligen: Kreis-, Bezirks-, Landesliga Baden Württemberg.

Background: Fürs Studium benötigte ich damals ein Praktikum. Da ich schon mit fünfzehn erste Karikaturen an die Sindelfinger Zeitung verkaufen durfte, konnte ich mich schon früh über erste Connections freuen, die mir später den Weg zur örtlichen Bildagentur Stampe ebneten. Mit deren Chef, Friedrich, verstand ich mich auf Anhieb prächtig. Ich hab’ sauviel von ihm gelernt, einen Mordspaß mit ihm gehabt. Und: bis heute wüsste ich, wie man mit einem Nikkor 300mm/2.8 im Dunkeln aus der Hand mit einer 1/15 Sek. fotografieren und ein gestochen scharfes Bild bekommen kann, einen Ilford HP5 auf 3200 ASA pusht, blind in der Dunkelkammer entwickelt und am Vergrößerer zu einem perfekten Bild abwedelt. Ja, Fotografieren war mal echt kompliziert.

Weil ich soviel gelernt habe und weil es mir ein Riesenansporn war, selbst beim übelsten Dorfgebolze, wenigstens ein würdiges Foto zu schießen, fragte mich Friedrich, ob ich nach meinem Praktikum nicht als freier Fotograf bei ihm arbeiten wolle? Grübel, grübel… coolster Chef der Welt… Superstressiger Job, aber megacool… XXL-Spaßfaktor und feiner Lifestyle während des Studiums… Will sagen: ich hörte mich nicht Nein sagen. Und so habe ich mich neun Semester lang, jedes Wochenende auf Fußballplätzen, Schützenvereinen, Motocross-Weltmeisterschaften, Bürgermeister-Ehrungen, Rock-Konzerten, Sommerschlussverkäufen, Sport-Veranstaltungen jeglicher Couleur wiedergefunden: Feldhandball, Beiwagenrennen, Traktor-Pulling, Langbogenschießen… Einzig und allein Disziplinen wie Rausfliegen in der Vorrunde blieb meinen Kollegen der aktuellen Pressefotografen vorbehalten.

Hasta luego, Freunde! – bis zum nächsten WM 2018-Beitrag – täglich kurz nach fünf – auf lebalcony,

 

Sam Lazay